Kaum ein anderes Thema wird in Deutschland so kontrovers diskutiert wie die Jagd. Während die einen in ihr eine Leidenschaft und zugleich einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Wildtiermanagement sehen, stellen andere ihre Notwendigkeit grundsätzlich infrage. Doch wie sieht die Realität aus? Ist die Jagd im Jahr 2026 noch zeitgemäß?
"Mehr als nur ein Hobby"
Zunächst einmal ist die Bezeichnung „Hobbyjagd“ nur bedingt zutreffend. Zwar üben die meisten Jägerinnen und Jäger ihre Tätigkeit ehrenamtlich und in ihrer Freizeit aus, die Aufgaben gehen jedoch weit über das hinaus, was man üblicherweise unter einem Hobby versteht.
Jäger übernehmen Verantwortung für Wildtiere und ihre Lebensräume. Sie engagieren sich bei der Kitzrettung, unterstützen die Bekämpfung von Tierseuchen, suchen verletztes Wild nach Verkehrsunfällen, legen Blühflächen an, pflegen Biotope und arbeiten eng mit Landwirten, Forstbetrieben, Fischern, Behörden und Naturschutzorganisationen zusammen.
Die eigentliche Jagdausübung macht dabei oft nur einen vergleichsweise kleinen Teil des zeitlichen Aufwandes aus.
Ein Spagat zwischen Kulturlandschaft & Natur
Eine anspruchsvolle Ausbildung
Viele Menschen sind überrascht, wenn sie erfahren, wie umfangreich die Ausbildung zum Jagdschein dem umgangssprachlichen "grünes Abitur" tatsächlich ist.
Die Jägerprüfung gilt als eine der anspruchsvollsten staatlichen Prüfungen Deutschlands. Sie umfasst unter anderem die Bereiche Wildbiologie, Naturschutz, Waffenrecht, Jagdrecht, Tierkrankheiten, Land- und Forstwirtschaft, Wildbrethygiene sowie den sicheren Umgang mit Jagdwaffen.
Weniger bekannt ist, dass auch viele Studierende der Forstwissenschaften und angehende Förster dieselbe Ausbildung durchlaufen und die gleiche staatliche Jägerprüfung ablegen. Die hierfür erforderlichen Kenntnisse in Wildbiologie, Wildtiermanagement, Ökologie, Artenkunde und Lebensraumgestaltung gehören sowohl für Jäger als auch für Förster zu den grundlegenden Fachkompetenzen.
Der Jagdschein ist daher nicht lediglich eine Erlaubnis zur Jagdausübung, sondern dokumentiert eine umfassende Ausbildung rund um Wildtiere, ihre Lebensräume und den verantwortungsvollen Umgang mit natürlichen Ressourcen.
Eine besondere Herausforderung besteht darin, die unterschiedlichen Interessen unserer Kulturlandschaft miteinander in Einklang zu bringen.
Landwirte sind auf gesunde und wirtschaftlich tragfähige Erträge angewiesen. Wildschäden in Feldern und Kulturen können dabei zu erheblichen Ertragsausfällen führen. Es ist daher nachvollziehbar und legitim, dass die Landwirtschaft bestrebt ist, diese Schäden möglichst gering zu halten.
Ähnliches gilt für die Forstwirtschaft. Förster und Waldbesitzer stehen vor der Aufgabe, stabile und klimaanpassungsfähige Wälder für kommende Generationen zu entwickeln. Hohe Schalenwildbestände können durch Verbiss und Schälschäden die natürliche Waldverjüngung erschweren und wirtschaftliche Schäden verursachen. Auch hier bestehen berechtigte Interessen an einer ausgewogenen Wilddichte.
Hinzu kommen die Interessen von Spaziergängern, Radfahrern, Hundehaltern und anderen Erholungssuchenden, die unsere Natur ebenfalls nutzen und erleben möchten.
Die Aufgabe eines modernen Wildtiermanagements besteht darin, diese unterschiedlichen Ansprüche möglichst ausgewogen zu berücksichtigen. Jagd bewegt sich daher häufig im Spannungsfeld zwischen Naturschutz, Land- und Forstwirtschaft, Tierschutz sowie den Interessen der Gesellschaft. Einfache Lösungen gibt es dabei selten – gefragt sind vielmehr Fachwissen, Verantwortung und die Bereitschaft, unterschiedliche Interessen miteinander in Einklang zu bringen.
Ist die Jagd noch zeitgemäß?
Die eigentliche Frage lautet heute nicht mehr, ob Jagd zeitgemäß ist, sondern wie sie ausgeübt wird.
Deutschland ist längst keine unberührte Wildnis mehr. Straßen, Siedlungen, Gewerbegebiete und intensive Landnutzung prägen unsere Landschaft. Gleichzeitig fehlen vielerorts natürliche Regulatoren oder sie sind noch nicht in ausreichender Zahl vorhanden, um Wildbestände flächendeckend zu beeinflussen.
Wildtiere leben daher in einer vom Menschen geprägten Umwelt. Daraus entsteht auch eine Verantwortung des Menschen für die Auswirkungen seines Handelns.
Eine moderne Jagd orientiert sich deshalb an wissenschaftlichen Erkenntnissen, am Tierschutz und an den Bedürfnissen der jeweiligen Lebensräume. Sie dient nicht der möglichst hohen Entnahme von Wild, sondern dem Erhalt gesunder Wildbestände und artenreicher Lebensräume.
Verantwortung statt Romantik
Natürlich gehört auch die Freude an der Natur, an Traditionen und an gemeinschaftlichen Erlebnissen zur Jagd. Wer jedoch nur darin den Sinn der Jagd sieht, greift zu kurz.
Moderne Jägerinnen und Jäger verstehen sich heute vor allem als Teil eines umfassenden Wildtiermanagements. Sie übernehmen Verantwortung für Wildtiere, Lebensräume und die Menschen, die diese Landschaften nutzen.
Ob man Jagd persönlich befürwortet oder kritisch betrachtet, bleibt eine individuelle Entscheidung. Fest steht jedoch, dass die Herausforderungen unserer heutigen Kulturlandschaft nicht kleiner werden. Die Frage ist daher weniger, ob Jagd zeitgemäß ist, sondern wie wir auch künftig Verantwortung für Natur, Wildtiere und Lebensräume übernehmen wollen.
Der Hegering Hilden ist überzeugt, dass eine fachlich fundierte, verantwortungsvolle und nachhaltige Jagd auch in Zukunft einen wichtigen Beitrag zum Natur- und Artenschutz leisten kann.
Ein weibliches Reh im Feld.
Auch Schäden an Grünflächen sind Erstattungspflichtig und sind vom jeweiligen Pächter zu bezahlen.