Jagd ohne private Jäger – Was würde das den Steuerzahler kosten?

In der Diskussion über die Zukunft der Jagd wird von Jagdkritikern immer wieder die Forderung erhoben, die Jagd vollständig in staatliche Hände zu überführen. Als Beispiel wird dabei häufig der Kanton Genf in der Schweiz angeführt, in dem die private Jagd bereits seit 1974 verboten ist und das Wildtiermanagement ausschließlich durch staatlich angestellte Berufsjäger und Wildhüter erfolgt.

Doch lässt sich dieses Modell überhaupt auf Deutschland übertragen? Ist ein Vergleich aufgrund der unterschiedlichen Flächengröße, Wildbestände, Waldanteile und jagdlichen Strukturen überhaupt sinnvoll? Und welche finanziellen Folgen hätte ein ausschließlich staatlich organisiertes Wildtiermanagement für den Steuerzahler?

Diesen Fragen gehen wir im nachfolgenden Beitrag anhand von Zahlen, Fakten und nachvollziehbaren Modellrechnungen nach.

Der Kanton Genf in der Schweiz geht seit über 50 Jahren einen besonderen Weg. Seit 1974 ist dort die private Jagd (Milizjagd) verboten. Die Regulierung der Wildbestände erfolgt ausschließlich durch staatlich angestellte Berufsjäger und Wildhüter.

Auf einer Fläche von 282 km² kümmern sich rund 11 bis 15 Berufsjäger bzw. Wildhüter um das gesamte Wildtiermanagement. Die jährlichen Kosten werden – je nach Quelle – mit 1,0 bis 1,2 Millionen Schweizer Frankenangegeben. Das entspricht nach heutigem Wechselkurs rund 1,08 bis 1,30 Millionen Euro pro Jahr. Darin enthalten sind Personal-, Sach- und Verwaltungskosten sowie Maßnahmen zur Wildschadensprävention und Entschädigungen.

Was würde ein vergleichbares Modell in Deutschland kosten?

Deutschland verfügt über eine Fläche von 357.596 km² und ist damit rund 1.268-mal größer als der Kanton Genf.

Legt man die Kosten des Genfer Modells rein rechnerisch auf die Fläche Deutschlands um, ergäben sich jährliche Kosten von etwa:

  • ca. 1,38 Milliarden Euro (ausgehend von 1,0 Mio. CHF bzw. 1,08 Mio. €)
  • bis ca. 1,65 Milliarden Euro (ausgehend von 1,2 Mio. CHF bzw. 1,30 Mio. €)

Diese Berechnung stellt jedoch keine belastbare Kostenprognose, sondern lediglich eine mathematische Modellrechnung dar. Deutschland unterscheidet sich erheblich von Genf – unter anderem durch seine deutlich größere Waldfläche, andere Wildarten, unterschiedliche Wilddichten, vielfältige Eigentumsverhältnisse sowie eine wesentlich komplexere Jagd- und Revierstruktur.

Wie viele Berufsjäger wären erforderlich?

Überträgt man ausschließlich die Personaldichte des Genfer Modells auf Deutschland, ergäbe sich theoretisch ein Bedarf von rund 13.000 bis 19.000 Berufsjägern.

Zusätzliche Kosten für den deutschen Steuerzahler
Vergleich Deutschland VS Kanton Genf

Zum Vergleich: In Deutschland gibt es schätzungsweise lediglich 1.000 bis 2.000 ausgebildete Berufsjäger. Die eigentliche Jagdausübung wird überwiegend von rund 460.000 Jagdscheininhabern übernommen, die diese Aufgabe in ihrer Freizeit oder im Rahmen ihres Ehrenamtes ausüben.

Häufig wird darauf verwiesen, dass in Deutschland zusätzlich rund 30.000 bis 35.000 Försterinnen und Förster tätig sind. Diese können jedoch nicht einfach für jagdliche Aufgaben herangezogen werden. Ihr gesetzlicher Auftrag umfasst insbesondere die nachhaltige Bewirtschaftung und Pflege der Wälder, den Waldumbau, den Natur- und Klimaschutz, die Verkehrssicherung, den Holzverkauf, die Betreuung des Privatwaldes sowie zahlreiche Verwaltungs- und Beratungsaufgaben. Bereits heute sind diese Aufgaben personell vollständig ausgelastet.

Ein ausschließlich staatlich organisiertes Jagdsystem würde daher zusätzliches Fachpersonal erfordern. Die bestehenden Berufsjäger und Förster könnten diese Aufgaben weder personell noch organisatorisch übernehmen, ohne ihre eigentlichen gesetzlichen Aufgaben erheblich einzuschränken.

Fazit

Der Kanton Genf zeigt, dass Wildtiermanagement grundsätzlich auch ohne private Jagdausübungsberechtigte möglich ist. Dieses System wird jedoch vollständig aus öffentlichen Mitteln finanziert.

Eine Übertragung des Genfer Modells auf Deutschland würde – selbst bei einer vereinfachten Flächenhochrechnung – jährliche Kosten von rund 1,4 bis 1,7 Milliarden Euro erwarten lassen. Hinzu kämen erhebliche organisatorische Herausforderungen sowie ein deutlich höherer Personalbedarf.

Aufgrund der erheblichen Unterschiede zwischen beiden Regionen eignet sich diese Berechnung nicht als konkrete Kostenprognose. Sie verdeutlicht jedoch die Größenordnung der finanziellen Mittel, die der Steuerzahler für ein ausschließlich staatlich organisiertes Wildtiermanagement voraussichtlich aufbringen müsste.